In meinem Projekt geht es ja immer auf die ein oder andere Art und Weise darum, sich dem eigenen inneren zuzuwenden und das was man dort findet, möglichst wertfrei, im besten Fall liebevoll anzunehmen.
Das klingt in der Theorie erstmal einleuchtend und ganz wunderbar. In der Praxis jedoch wird es meist eine große Herausforderung. Denn wenn im Inneren unangenehme Gefühle, z.B. Druck / Stress, Traurigkeit, Angst, Scham usw. auftauchen, ist unsere erste und automatische Reaktion meist, irgendwie schnell davor zu flüchten. Wie also soll das gehen mit dieser liebevollen Zuwendung?
Versuche mal, dich zu zwingen, liebevoll nach Innen zu spüren. Du wirst sehr wahrscheinlich bemerken, dass das überhaupt nicht funktioniert, sondern nur dein ganzes System stresst. Es braucht also eine andere Möglichkeit – und eine gute heißt: Innere Anteile entdecken.
Die eigene Persönlichkeit als ein Zusammenspiel von unterschiedlichen (Persönlichkeits-) Anteilen zu sehen ist eine äußerst wertvolle Hilfe auf dem Weg zu mehr Erfüllung, Entspannung und Lebensfreude.
Vielleicht denkst du jetzt: das klingt nach gespaltener Persönlichkeit. Tatsächlich gibt es dieses Krankheitsbild meist durch schwere Traumatisierungen in der Kindheit.
Der Unterschied ist jedoch, dass im “Normalfall” Menschen relativ gut von den eigenen unterschiedlichen Anteilen Wissen. Vielleicht kannst du dir das besser vorstellen, wenn du überlegst, wie du im Arbeitskontext bist, wie du dort denkst und dich verhältst. Und wie du bei deinen Eltern bist. Und wie du in Beziehungskonflikten in Partnerschaften bist.
Wenn du genau hinschaust, wird das ganz unterschiedlich sein. Und gleichzeitig hast du wahrscheinlich trotzdem das Gefühl von einer relativ konstanten Persönlichkeit und kannst dich an die unterschiedlichen Situationen erinnern (was Menschen mit gespaltener Persönlichkeit nicht können).
Es gibt dann noch verschiedene Anteile in uns wie z.B. einen inneren Kritiker, der sich oft durch selbst abwertende Gedanken zeigt. Es gibt auch viele verletzte Anteile, die sich meist verstecken hinter beschützenden Anteilen, die mittels souveräner oder angepasster oder auch aggressiver Art dafür sorgen, dass die verletzten Anteile nicht ans Licht kommen.
Anfangs ist es oft schwierig, die unterschiedlichen inneren Zustände auseinanderzuhalten und als Persönlichkeitsanteile zu sehen. Normalerweise gehen wir einfach durch unser Leben und machen uns da keine Gedanken darüber. Wenn man jedoch genauer hinschaut, wird man nach und nach sehr viele unterschiedliche Seiten in sich entdecken und so langsam die „innere Familie“ (wie sie Richard Schwartz in seiner Therapiemethode IFS nennt) kennenlernen.
„Bis du das Unbewusste bewusst machst, wird es dein Leben steuern, und du wirst es Schicksal nennen.“
– Carl Jung Tweet

Spät am Abend ertappte ich mich bei einer Fantasie: eine KI, so klug und mächtig, dass sie die kranke Seite der Menschheit sanft im Zaum hält. Wie perfekte Eltern. Ein Traum. Bis mir jemand einen Spiegel hinhielt und meine schöne Vision zu kippen begann. Ein ehrlicher Essay über Ohnmacht, Wut und das, was darunter liegt.

Wovon machst du dein Glück abhängig, ohne es zu merken? Bei mir war es diese Woche der Wind zum Surfen. Der beste des Monats, an genau den Tagen, an denen ich nicht kann. Über die leise Rechnung „Ich bin glücklich, wenn …“ und darüber, dass Ankommen nicht heißt, nichts mehr zu wollen.