Stell dir vor, du könntest dich entwickeln, ohne dich dafür ständig zu optimieren. Ohne To-Do-Listen für dein Innenleben, ohne den Druck, eine bessere Version deiner selbst werden zu müssen. Was zunächst paradox klingt, ist vielleicht der Schlüssel zu echter, nachhaltiger Veränderung.
Auf den ersten Blick wirken die Wege gegensätzlich:
Selbstzuwendung oder Selbstannahme klingt nach Stillstand, Selbstoptimierung nach Weiterkommen und Entwicklung. Doch was, wenn echte Entwicklung nicht aus Selbstoptimierung entsteht, sondern aus einer stillen, warmen Annahme dessen, was bereits da ist?
In deiner Innenwelt funktionieren andere Gesetze als im Außen. Hier gilt selten „mehr Druck gleich mehr Ergebnis“.
Was wir innerlich ablehnen, wird oft stärker. Was wir annehmen, beruhigt sich – und darf sich wandeln. Diese Haltung ist der Kern von Selbstzuwendung: Nicht gegen dich arbeiten, sondern mit dir. Nicht dies und jenes an dir verbessern wollen, sondern so vielem wie möglich liebevoll zuwenden und annehmen. Entwicklung wird dann kein Reparaturprojekt deiner Defizite, sondern eine natürliche Folge von Kontakt, Präsenz und Neugier.
„Veränderung geschieht, wenn jemand wird, was er ist – nicht, wenn er versucht, etwas zu werden, das er nicht ist.“
- Arnold Beisser Tweet
Viele von uns kennen Leistung als Ersatzwährung für Liebe und Zugehörigkeit. Aus einer bindungs‑ und traumasensiblen Perspektive ist Perfektionismus häufig eine frühe Überlebensstrategie: Kinder versuchen Ablehnung zu vermeiden, indem sie „perfekt“ werden – Leistung soll Liebe sichern. Das schafft Distanz zum authentischen Sein und hält den inneren Druck hoch.
Wenn wir diesen Mechanismus erkennen (ohne ihn zu bekämpfen), entsteht Raum für eine andere Quelle: Lebenslust. Oftmals ist dieses erkennen erstmal mit schwierigen Gefühlen verbunden, die mit der früher fehlenden Liebe und Zuwendung zusammenhängen. Es ist ein Prozess, sich mit diesen Gefühlen auseinanderzusetzen und sie liebevoll zu integrieren (das verletzte innere Kind anzunehmen).
Je mehr uns dies gelingt, desto mehr wird ganz natürlich Lebenslust und Freude frei.
Entwicklung aus Freude respektiert Grenzen, hört auf Signale des Körpers und verbindet Herz und Handeln – statt „noch besser“ werden zu müssen.
Es ist die simple Lust, sich zu entfalten, zu entdecken, zu wachsen – und vielleicht erinnert dich das an kleine Kinder. Diese Lust, dieses Bedürfnis ist neben der Sehnsucht nach Annahme und Geborgenheit (Bindung) eines unserer frühesten und fundamentalsten Grundbedürfnisse.
Hier einige Aspekte, die diese Frage beantworten können:
„Ich muss“ vs. „Ich darf“
Schuldgefühl beim Auslassen vs. Freude über kleine Schritte
Vergleich mit anderen vs. Kontakt mit mir selbst
Erschöpfung danach vs. genährte Lebendigkeit
Angst vor dem Versagen vs. Neugier auf das Werden
Was wäre möglich, wenn du deine Entwicklung als Abenteuer statt als existenzielles Pflichtprogramm sehen könntest?
Zufriedenheit ist kein Sofa, sondern fruchtbarer Boden. Mit sich selbst im Frieden sein resultiert ganz von selbst in Lebenslust und Freude an Entwicklung.
Viele Menschen gehen den Weg der Selbstoptimierung jedoch eher aus einer Ablehnung sich selbst gegenüber oder aus Angst, nicht mithalten zu können.
Die Ziele sind dann „Vermeidungsziele“, um Mangel an Selbstwert oder Verbundenheit auszugleichen, statt „Annäherungsziele“ aus Lust und Freude heraus.
Veränderung durch Vermeidungsziele führt nie zum Ziel, da die erreichten Ziele nie die Ursache im inneren beruhigen. Das Ergebnis sehen wir in unserer Leistungsgesellschaft: Überkonsum, Ausbeutung, Burnout.
Veränderung aus Freude heraus hängt weniger von Ergebnissen ab („so und so muss ich sein, dann fühle ich mich besser“), sondern von Werten („dies ist mir wichtig, das macht mir Freude, das erfüllt mich und dafür gehe ich“).
Entwicklung aus Werten und Lebensfreude fokussiert eher auf den Prozess, nicht auf das Ziel.
Du kannst „Ja“ zu einem wertorientierten Schritt sagen, im Wissen, dass du zwischendurch stolpern wirst – und dann wieder aufnimmst, was dir wichtig ist. Scheitern wird dann kein existenzielles Problem („ich tauge zu nichts…“), sondern vielleicht eine interessante Herausforderung.
Je mehr wir liebevoll mit uns verbunden sind, desto eher wird das Leben zu einem Spielplatz, statt zu einer Kampfarena.
„Sich entwickeln“ und „zufrieden sein“ sind keine Gegensätze. Zufriedenheit ist der Boden, auf dem Entwicklung organisch wächst. Wenn Werte die Richtung geben und Verbundenheit wichtiger ist als Leistung – dann wird Veränderung zu dem, was sie im Grunde ist: eine Bewegung aus Lebensfreude.
Wenn du den Eindruck hast, dass du Unterstützung brauchst auf deinem Weg zu Zufriedenheit und im Umgang mit deinen inneren Antreibern, melde dich gerne. Wir können dann gemeinsam besprechen, wie dein Weg und die Unterstützung aussehen könnte.

Ich bin Oliver, Gestalttherapeut mit Herz für Tiefe, Psychotherapie und Verbundenheit. In diesem Blog teile ich Impulse für Menschen, die sich selbst wieder näher kommen wollen.
und du dir Begleitung auf deinem Weg wünschst – schau gerne auf der Therapieseite vorbei.